Opinion
Presentation of the first original CD recordings by Vasco Abadjiev in the Bulgarian Cultural Institute in Budapest
On 19th October 2010 in the Bulgarian Cultural Institute in Budapest Dr. Hristo Vassilev, a senior research fellow from Bulgaria, presented the first original CD recording by famous Bulgarian violin virtuoso and composer Vasco Abadjiev. The musical pieces are part of the Bulgarian National Radio’s Golden Collection. The short lecture was accompanied by music recordings and video of the artist’s live performances from the first half of the last century that has preserved his character.
The public enthusiastically applauded the incredible sounding speaker performance which provided great effect. Also the management department of the Institute was prepared for the event with prints and promotional materials in both Bulgarian and Hungarian. During the meeting there was simultaneous interpretation into Hungarian. Finally, participants thanked the organizers for the wonderful evening.
Particularly valuable was the recognition given by Mrs. Penka Changova -Menhart, doyen of Bulgarians living in Hungary. With incredible vibrancy and emotion, this 90-year old woman shared her memories of Vasco Abadjiev, who was a very close family friend during his stay in Hungary in the late 1940s.
Also impressive was the admiration expressed by two young Hungarian musicians, members of the local philharmonic orchestra, who professionally valued Abadjiev’s high class. This left a big impression on Mr. Vassilev and strengthened his conviction that it is very worthwhile to promote the art by the Bulgarian genius, especially for the sake of young musicians. This kind of art, this artistic peak brings joy to people across the whole cultural world.
Diese Geige darf nicht schweigen
Von Peter Stefan, Das Neue Blatt, Hamburg,16 May 1967
Die Geige weint und schluchtzt. Ihre Tone erfullen den kleinen Saal in der Hamburger Musikhalle. Vier Dutzend Menschen sitzen auf den harten Stuhlen, vergessen die Karghalt des Raumes, starren gebannt auf die flinken Finger des kleinen Mannes, der da vorn auf der Buhne steht. Er hat die augen geschlossen, wahrend er spielt. Es ist, als lausche er in sich hinein - als versuche er mit seinem virtuosen Geigenspiel die Vergangenheit herauszubeschworen.
Denkt er zuruck an seine Kindheit, an den Tag, an dem e rim Spiegelsaal des Brusseler Schlosses vor dem Konig spielen durfte? Denkt er an die glanzvollen Konzerte in Rom and New York, in Wien und Stockholm? An die Zeit als Europas Kritiker ihn als den "Teufelgeiger des 20. Jahrhunderts" feierten - weil kein anderer Geiger die schwierigen Griffe Paganinis so sicher beherrschte wie er? Oder denkt er an den schracklichen Tag vor einem Jahr, als seine Karriere fur immer beendet schien - al ser, von einem Auto uberfahren mit schweren Verletzungen im Krankenhaus landete …
Wer ist dieser Mann? Vasco Abadjiev, geboren am 14. Januar 1926 in Sofia, Bulgarien, steht in seinem Pa?. Musikfreunde kennen seinen Namen. Als Sechjahriger schon galt er als Wunderkind. Damals druckte er neben den 20jahrigen Studenten die Schulbank der von seinem Vater Nikolaus geleiteten Musikakademie in Sofia. Gastspiele in ganz Europa machen ihn beruhmt. Als 26jahriger erhielt er den Dimitroff-Preis in Gold, die hochste bulgarische Musikauszeichnung.
Er war ein Star, in einigen hundert Konzerten gastierte er bei den Berliner Philarminikern, beim Leipziger Gewandthausorchester, bei den gro?ten Orchestern Europas. Man verglich ihn mit Paganini, mit David Oystrach, mit Yehudi Menuhin. Wenn er auftrat, klingelte es in den Kassen der Konzertmanager. Und er selbst erhielt tausend Dollar pro Abend - viertausend Mark!
Dann kam die schreckliche Nacht im D-Zug Prag - Budapest. Ein Unbekannter - vermutlich ein politischer Attentater - schlug Vasco im Gang des Zuges nider. Seine Mutter, die Pianistin Prof. Lala Abadjiev, rettete damals Vasco das Leben. Kurz darauf fluchteten beide in den Westen. Doch die tife Narbe auf der Stirn, die der Geiger bei dem Uberfall davontrug, ist heute noch zu sehen.
Zunachst in Berlin, dann in Hamburg fand Vasco und seine Mutter eine neue Heimat. Doch der alten Frau blieben nur noch wenige Jahre, fur ihren begabten Sohn zu sorgen. Am 2. Oktober 1965 starb sie an einem Herzleiden. Vasco war allein, er verlor den Halt. In Kneipen auf St. Paul spielte er fur Bier und Schnaps - ein Genie, das in der Gasse zu enden drohte.
Noch einmal feierte er ein glanzvolles Comeback. Doch noch ehe er eine vielversprechende Konzerttournee durch Europa antreten konnte, wurde er von einem Auto uberfahren.
Monatelang lag Vasco Abadjiev im Krankenhaus. Der Schock war noch schlimmer, als die Verletzungen. Al ser endlich gegen den Rat der Artzte wieder eine Geige in der Hand Nahm, schien ein Neubeginn haltungslos.
"Aber meine Finger waren noch heil sagt er heute. "Deshalb mu?te ich es versuchen. Ich wu?te: Nur Musik kann mir wieder Lebensmut geben …"
Nun stand er in Hamburg wieder auf dem Konzertpodium. In sich versunken, wohlentruckt. Nur wenige Freunde hatten sich eingefunden, um des "Teufelsgeigers" Ruckkehr zur Musik mitzuerleben.
Ihr Beifall trieb Ihm die Tranen in die Augen. "Jetzt wird doch alles gut", flusterte er beim Abgang.
Gebeugt verschwand er hinter dem Vorhang - ein Mann der schreckliches erlebte und doch die Haltung nicht verlor.
Photo:
Photo1.- Als Sechsjahriger wurde er entdeckt. Mit acht spielt er am koniglichen Hof in Brussel. Mit 26 erhielt das "Wunderkind" Vasco Abadjiev den Dimitroff-Preis in Gold.
Man verglich den Geiger mit den dunklen Locken und flinken Fingern mit Paganini, dem Teufelgeiger.
Eine unerhorte Karriere wurde ihm vorausgesagt. Dann schlug das Schicksal zu:
Ein Uberfall, ein schwerer Unfall. Der Tod seiner geliebten Mutter warf den genialen Musiker vollends aus der Bahn.
Hamburgs beruchtigte Reeperbahn schien die Endstation fur ihn zu sein.
Doch jetzt haften Vascos Freunde, da? dem Geigenvirtuosen doch noch ein Comeback gelingt.
Photo 2. Ein Abend mit dem "Teufelsgeiger" - gebannt starren die Zuhorer auf die flinken Finger des ehemaligen Wunderkinds Vasco Abadjiev. Noch sind die Konzertsale halbleer, wenn er auftritt. Wird es noch fur ihn ein Comeback geben?
Photo 3. Vasco Abadjiev - ein Gesprach mit unserem Rerorter Peter Stefan (links).
"Die Geige ist mein Lebensinhalt" sagt er.
Abedsblatt, Hamburg
Nr. 55 vom 05.03.1968, Seite 16 Original-Zeitungsseite als PDF ansehen
Geigen-Akrobatik
Der Bulgare Vasco Abadjiev hat sich dem Hexenmeister Paganini verschrieben. Er bestritt auch diesmal sein Programm in der Kleinen Musikhalle mit Kompositionen des Genueser Virtuosen, deren musikalische Substanz gering, deren technische Schwierigkeit ungeheuerlieh ist. Diese spielend zu meistern, alle ihre Effekte auszuschopfen: Die fliegenden Flageolett-Ketten, die knatternden Linke-Hand-Pizzacatti, die Jagd der Akkordgriffe, die Equilibristik am Steg- das geht Vasco Abadjiev so von der Hand, da? ein Raunen durch die Reihen des kleinen, aber sachverstandigen Publikums ging. Mit barer Verbluffung sieht man, was alles der Geige am Rande und auch jenseits ihrer Moglichkeiten entlockt werden kann.
erschienen am 05.03.1968
Abendsblatt
Nr.83, vom 09.04.1966, Seite 13 Original-Zeilungsseite
Zwei bedeutende Solisten
Beethoven mit Toyoaki Matsuura / Paganiniabend mit Vasco Abadjiev
Toyoaki Matsuura,der japanische Meisterpianist,stand im Mittelpunkt des Beethoven-Abendsmit dem Giittinger Symphonie-Orchester. Seine brillante, dabei zuchtvoll nervige Interpretation des Es-Dur- lavierkonzertes entfachte einen wahren Beifallsorkan in der brechend volen……..
Ein reines Paganini-Programm bot VascoAbadjiev bei seinem gestrigen Soloabend in der kleinen Musikhalle, ein geigerisches Brillant-Feuerwerk, gespickt mit Doppelgriffen, Flageolett- Tonen und so fort, wobei Griff- und Bogentechnik gleich bewundernswert prazis zu nennen sind. Vor allem gemessen an den Capricen, jede auch musikalisch ein Hohepunkt des Konzerts, die klangschon und sauber und sehr diszipliniert erklangen, musste dieses bedeutende Talent sich schnell einen Namen machen konnen; aber ob ihm Paganini allein dabei helfen kann? Der herzliche, uberstromende Beifall schafft diese Fraqe nicht aus der Welt. chm

